Geschichte

Ur- und Frühgeschichte

Seit der Eiszeit wird der Raum Hagen von Menschen bewohnt. Zahlreiche archäologische Funde belegen eine "Besiedlung" seit der mittleren Altsteinzeit, der Kulturstufe des Neandertalers. In Höhlen und auf den Flußterrassen von Ruhr, Lenne, Ennepe und Volme finden sich zahlreiche überregional wichtige Bodenfunde und Siedlungsspuren von der Altsteinzeit über die Mittelsteinzeit und Jungsteinzeit bis zur Bronzezeit, Eisenzeit und Völkerwanderungszeit.

In einem Seitental der Lenne bei Hagen-Holthausen wurden in der "Blätterhöhle" sehr bedeutende Knochenfunde von steinzeitlichen Menschen gemacht, darunter auch die Skelettreste von mindestens zwei der frühesten anatomisch modernen Menschen in Westfalen und im Ruhrgebiet. Diese menschlichen Überreste sind nach C 14-Untersuchungen an den Universitäten in Kiel und Oxford über 10.700 Jahre alt und stammen aus dem frühen Mesolithikum des älteren Holozän. In Europa gehören sie zu den wenigen überlieferten Menschenresten aus diesem Zeitabschnitt. Da die Forschungen noch nicht abgeschlossen sind und die Ausgrabungen in der mit zahlreichen weiteren Skelettresten und weiteren Funden gefüllten Höhle erst beginnen, ist in Zukunft mit weiteren Überraschungen zu rechnen.

In der "Blätterhöhle" wurden auch zahlreiche Skelettreste von Menschen der Michelsberger Kultur entdeckt, darunter das fast vollständige Skelett einer jungen Frau im Alter von 17-22 Jahre. Untersuchungen ergaben ein Alter von rund 5.600 Jahren; die Funde datieren also in die Zeit um 3.600 v.Chr. Diese jungsteinzeitlichen Menschenreste, die vermutlich zu Bestattungen gehören, zählen in Europa zu den seltenen archäologischen Relikten.

Die Funde in der "Blätterhöhle" werden seit 2004 von einem internationalen Wissenschaftlerteam erforscht und sind anhand von ausgewählten Objekten im Museum für Ur- und Frühgeschichte im Wasserschloss Werdringen zu sehen, zusammen mit anderen wichtigen archäologischen Funden der Region.

Mittelalter

Im Jahre 775 wurde die nahe der Hagener Stadtgrenze zu Dortmund über der Ruhr-Lennemündung gelegene "sächsische" Hohensyburg (Sigiburg) durch Truppen Kaiser Karl der Große erobert. Mit der Überlieferung dieser Eroberung in den "Annales Laureshamenses" (Lorscher Annalen) tritt der Raum Hagen in die Geschichtsschreibung.

Erste Schriftquellen, die sich direkt auf Hagen beziehen, datieren in das 12. Jahrhundert, als Hagen kurkölnischer Besitz und ein Kirchspiel in der Herrschaft Volmarstein war.

Die Johanniskirche (Stadtzentrum) wird häufig mit der (historisch falschen) Vorstellung von einer karolingischen "Urpfarre" der Christianisierung im 8. Jahrhundert in Verbindung gebracht. Hier soll sich die "Urkirche" der Region befunden haben. Tatsächlich lässt sich die Kirche anhand von Schriftquellen und archäologischen Befunden frühestens in das 12. Jahrhundert datieren. Ein System von "Urpfarren" hat es wohl nicht gegeben; die These beruht auf posthum veröffentlichten Arbeitshypothesen des westfälischen Landeshistorikers Albert K. Hömberg.

Bis 1288 sicherte die Raffenburg bei Hagen-Holthausen die Grenze des kurkölnischen Territoriums zur Grafschaft Limburg und zur Grafschaft Mark. Im Frühjahr 1288 wurde die Raffenburg durch Truppen des Grafen Eberhard II. von der Mark erobert und später teilweise geschleift.

Nach der Eroberung der Burg Volmarstein im Jahr 1324 wurde Hagen ein Teil der Grafschaft von der Mark, die Anfang des 15. Jahrhunderts den Herzögen von Kleve-Mark gehörte.

Im Mittelalter war das Dorf und Kirchspiel Hagen relativ unbedeutend und stand politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich unwichtig dar im Vergleich zu den märkischen Stadtgründungen im Umland sowie zu der benachbarten Grafschaft Limburg.

Frühe Neuzeit

1609/66 kamen Gericht und Kirchspiel Hagen durch Erbfolge zu Brandenburg-Preußen. Im Dreißigjährigen Krieg erfolgten zahlreiche Plünderungen sowie 1636 eine große Pestepidemie, der allein im Kirchspiel und Gericht Hagen Tausende von Menschen zum Opfer fielen.

Durch die Gründung einer Klingenschmiede in Hagen-Eilpe 1661 mit Genehmigung des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg wurde die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Entwicklung gefördert.

Seit dem 15./16. Jahrhundert entstanden im Ennepetal zwischen Wehringhausen, Haspe und Gevelsberg sowie im Volmetal zwischen Eilpe und Dahl mehrere mit Wasserkraft betriebene Hammerwerke und Schmieden.

Im 17. Jahrhundert wurden sich auf der so genannten Ennepestraße zwischen Gevelsberg und Wehringhausen zahlreiche Sensenschmieden gegründet, die bis in das 19. Jahrhundert ein bestimmender Gewerbezweig blieben. Die Sensenschmiede waren zur Mitte des 17. Jahrhunderts genau wie die Klingenschmiede in Eilpe aus dem bergischen Land eingewandert.

1699 vernichtete ein Großfeuer zahlreiche Häuser in Hagen, das in einer Quelle, die heute in der Dauerausstellung des Historischen Centrums Hagen zu sehen ist, aus dem Jahre 1697 von den "Vorstehern" und "Eingesessenen" noch als Dorf bezeichnet wurde.

Neuzeit

Um 1705 war Hagen ein Flecken im Gericht Hagen, Amt Wetter. Ein Brand zerstörte 1724 einen Großteil der Gebäude. Daraufhin erfolgte der Wiederaufbau, der von der preußischen Regierung unterstützt und gefördert wurde.

1717, damals zählte der Flecken 675 Einwohner, erhielt Hagen eine Akzise, 1731 ein "Rathäusliches Reglement". Hagen besitzt seit dem 3. September 1746 aufgrund eines von König Friedrich II. von Preußen bestätigten Reskripts Stadtrechte.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgte eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Fortentwicklung, die durch Kriegsfolgen, wie 1756-1762 im Siebenjähriger Krieg, gestört wurde.

Von 1807 bis 1813 war Hagen in der Zeit der französischen Herrschaft als Hauptstadt des Arrondissements Hagen dem Ruhrdepartement im Großherzogtum Berg angegliedert. Sie hatte den Rang einer Munizipalität bzw. Unterpräfektur.

Nach dem endgültigen Übergang an Preußen wurde Hagen 1817 Sitz eines Amtes und eines Kreises innerhalb des Regierungsbezirks Arnsberg. 1837 wurde die revidierte Städteordnung und ein Magistrat eingeführt.

Während der Revolution 1848/49 beteiligten sich Revolutionäre aus Hagen maßgeblich am Aufstand in Iserlohn im Mai 1849. Nach der blutigen Niederschlagung des Aufstandes durch preußische Truppen flüchteten sich viele Revolutionäre, wie z.B. Caspar Butz, in das Ausland.

Neueste Geschichte und Zeitgeschichte

Im Jahr 1887 schied Hagen verwaltungsrechtlich aus dem Kreis Hagen aus, wurde eine kreisfreie Stadt. Die Einwohnerzahl der Stadt überschritt 1928 die 100.000-Grenze und machte Hagen zur Großstadt.

Während der Kaiserzeit 1871-1914 erlebte Hagen eine Blütezeit. Durch die Urbanisierung und Industrialisierung entwickelte sich die Stadt zum Oberzentrum für die gesamte Region. Der Erste Weltkrieg beendete diese Entwicklung. In der Weimarer Republik konnte Hagen an die Situation vor 1918 nicht mehr anknüpfen.

Während des Kapp Putsches 1920 war Hagen das Hauptquartier der "Roten Ruhr-Armee". Seit 1922 machten sich rechts- und linksextreme Strömungen und Parteien immer mehr bemerkbar. Führende Nationalsozialisten, wie Adolf Hitler, Josef Goebbels und Rudolf Hess, besuchten seit 1925 mehrfach Hagen. Hitler und Heß wohnten dabei im Haus Busch, einem Adelssitz bei Hagen-Kabel, der bis 1928 vom späteren Obersten SA-Führer Pfeffer von Salomon bewohnt wurde.

Der Nationalsozialismus 1933-1945 führte auch in Hagen zur Verfolgung sowie Deportation der Juden. Der Hagener Oberbürgermeister Heinrich Vetter (1) war seit 1936 auch Stellvertretender Gauleiter in Westfalen-Süd. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurde in der "Battle of the Ruhr" die Hagener Innenstadt total zerstört.

Zwischen 1943 und 1945 betrieb die Gestapo-Dienststelle in Hagen eigene Haftstätten und Lager, in denen ausländische Zwangsarbeiter, Juden und "jüdische Mischlinge" sowie deutsche Regimegegner inhaftiert und misshandelt wurden. Nur wenige Stunden vor dem Einmarsch der US-Truppen im April 1945 ermordeten Mitarbeiter der Gestapo in Hagen noch zahlreiche Menschen.

Die durch den raschen Wiederaufbau entstandenen "Bausünden" wurden seit den 1990er Jahren unter anderem durch die Volmegalerie, die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes und den gegen im Vergleich zur überwiegenden Mehrheit geringen Bürgerproteste in einem lokalen Volksentscheid durchgesetzten Neubauteil des Rathauses behoben.

Aktuelle Entwicklung

Hagen zählt heute knapp 200.000 Einwohner. Im März des Jahres 2004 erhielt Hagen bundesweite Medien-Aufmerksamkeit durch die spektakulär aufgezogene Sprengung des Sparkassen-Hochhauses "Langer Oskar". Seit September 2004 berichteten deutschsprachige und internationale Medien mehrfach über die bisher einzigartigen archäologischen Funde von rund 10.700 Jahre alten menschlichen Skelettresten, die als "älteste Westfalen" gelten bzw. die ältesten Funde von anatomisch modernen Menschen in Westfalen und im Ruhrgebiet darstellen, in einer Karsthöhle bei Hagen.

Eingemeindungen

Im Laufe der Geschichte wuchs die Stadt Hagen durch mehrere Eingemeindungen. Diese sind im Einzelnen:

* 1876 Wehringhausen und Eilpe
* 1901 Delstern, Eckesey und Eppenhausen
* 1929 Haspe, Boele, Fley, Halden, Herbeck, Holthausen und Vorhalle
* 1970 Waldbauer (Eingemeindung aufgrund Gerichtsurteil nichtig. 1975 in die Stadt Breckerfeld eingemeindet)
* 1975 Hohenlimburg, Berchum, Garenfeld, Dahl, Priorei, und Rummenohl

Einwohnerentwicklung

1900 hatte Hagen mehr als 50.000 Einwohner. 1928 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000 Einwohnern, wodurch sie zur Großstadt wurde. Bis 1964 verdoppelte sich diese Zahl auf 200.000. Am 1. Januar 1975 erreichte die Bevölkerungszahl von Hagen nach der Eingemeindung von Hohenlimburg (27.244 Einwohner 1974) und weiterer Orte mit 231.840 ihren historischen Höchststand. Am 31. Dezember 2006 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Hagen nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 195.671 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).

Stadtwappen und Stadtname

Das Hagener Stadtwappen ziert eine stilisierte Eiche auf blauem Grund.

Die Hagener Eiche verfügt über 11 Blätter an insgesamt 5 Zweigen. Hiermit sind die 11 Stadtteile Hagens (Mitte, Altenhagen, Boele, Emst, Dahl, Wehringhausen, Vorhalle, Eilpe, Haspe und das Hochschulviertel) und die 5 Flüsse, die durch Hagen führen (Ruhr, Lenne, Volme, Ennepe, Hasperbach), symbolisiert.

Der Ursprung des Namens Hagen ist nicht genau bekannt. Der Flurname Hagen bezeichnete im ausgehenden Mittelalter einen niedrigen Erdwall mit Pfählen, oft durch Weidengeflecht verbunden, um ein Gehöft vor Eindringlingen zu schützen und das Fortlaufen des Viehs zu verhindern. Manchmal trat an Stelle der Pfähle lebendes Buschwerk, der Hagedorn mit der Hagerose und den Hagebutten. Hier in seinem Hagen saß der Bauer geschützt und sicher, es war ihm behaglich. Er hegte seinen Besitz, und wer ihm ins Gehege kam, dem konnte leicht unbehaglich werden. Diese Deutung des Namensursprungs ist jedoch nicht wissenschaftlich abgesichert und wird von seriösen Historikern sehr kritisch gesehen.


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Quelle: Wikipedia